Mosaik

Zeilen einer wunderbaren Frau, die eigentlich nur für sich selbst schreibt und manchmal – im kleinen Rahmen – andere Menschen an ihren Gedanken teilhaben lässt. Deshalb freut es mich umso mehr, dass ich nachfolgenden Text hier einstellen darf.

Mosaik

Der Mensch ist wie ein Mosaik.

Alle Steine waren schon da, vorher – in anderen Mosaiken.

Was man wohl vorher war – später wird?

Ein Fisch, Vogel oder Baum? Wohl eher von allem etwas.

Und die Gedanken und Gefühle? Alle schon da gewesen?

Nichts ist neu – oder doch?

Keine zwei Mosaike sind gleich.

Niemals treffen die Steine in gleicher Konstellation aufeinander!

Manche Steine sind hässlich und dunkel.

Man würde sie am liebsten pulverisieren, aber es bleibt immer etwas übrig.

Materie ist unvergänglich!

Und die Gedanken und Gefühle – auch unvergänglich?

Mir scheint, als würden auch sie immer nur weitergegeben.

Aber man kann sie neu sortieren – für sich passend.

Was kann man tun mit den Steinen, die einem nicht gefallen?

Wieder rausbrechen geht nicht!

Der Mensch ist wie ein Mosaik.

Er ist erst fertig, wenn er stirbt.

Man kann also neue Steine sammeln, das Bild immer wieder verändern.

Man kann schönere Farben und Formen wählen.

Die Dunklen treten in den Hintergrund, als Schatten, mehr nicht.

So könnte es gehen.

Lotti Birgel

5 vor 12

Vor wenigen Tagen erzählte mir eine Bekannte von ihrer schwer erkrankten, im Hospiz lebenden Freundin. Diese hatte gesagt: „Ich frage mich, ob ich überhaupt richtig gelebt habe.“ Im ersten Moment sind solche Worte eines nahestehenden Menschen erschütternd. So eine Erschütterung kann einen aber auch wachrütteln und dazu bewegen, das eigene Leben zu überdenken.

Die australische Krankenschwester Bronnie Ware begleitete als Palliativpflegerin Menschen auf ihrem letzten Weg und schrieb über ihre Erlebnisse bzw. die Gespräche mit den Todgeweihten ein Buch:

„The Top Five Regrets of the Dying“ – „Die fünf Dinge, die Sterbende am meisten bereuen“:

  1. Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mein Leben nach meinen Vorstellungen zu leben, und nicht nach den Vorstellungen der anderen.
  2. Ich wünschte, ich hätte nicht so hart gearbeitet.
  3. Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meine Gefühle auszudrücken.
  4. Ich wünschte, ich hätte den Kontakt zu meinen Freunden gepflegt.
  5. Ich wünschte, ich hätte mir erlaubt, glücklicher zu sein.

Die Sterbenden machten sich Selbstvorwürfe, weil diese Erkenntnis erst kam, als es bereits zu spät war.

In unserer schnelllebigen Zeit ist bei vielen Menschen „5 vor 12“. Gerade noch Zeit genug, um in sich hineinzuhorchen: „Lebe ich wirklich mein Leben?“ Vielleicht sind es nur Kleinigkeiten, die es zu verändern gilt, damit man sich später nicht sagen muss: „Ich wünschte, ich hätte…“

Vor 10 Jahren hatte ich selbst einen schweren Unfall und es dauerte eine Weile, bis ich physisch „ganz die Alte“ war. Meine Einstellung zum Leben hat sich seither grundlegend geändert und ich verspüre ein tiefes Gefühl von Dankbarkeit für diese zweite Chance. Ich schätze vieles im Leben mehr – auch die alltäglichen Dinge.