Der innere Schweinehund

Nachdem mir nun an 3 aufeinanderfolgenden Tagen 3 unterschiedliche Personen gesagt haben, dass sie endlich mehr für sich tun sollten, möchte ich hierzu etwas schreiben. Euch allen kann ich das empfehlen, was ich seit Jahren praktiziere. Man braucht keine kostspielige Ausrüstung und ist an keine bestimmte Uhr- oder Jahreszeit gebunden: Spazierengehen. Ganz schön unspektakulär, nicht wahr?! Manchmal sind die einfachen Dinge die besten und schon 5 Minuten können Wunder wirken.

Zahlreiche wissenschaftliche Studien zum Thema „Effektivität des Spazierengehens“ belegen, dass das Laufen sich positiv auf das Wohlbefinden, die Leistungsfähigkeit und die Gesundheit auswirkt. Es kann u.a. Angstzustände und Depressionen lindern, die Herzgesundheit verbessern, den Blutdruck senken, die Muskulatur kräftigen, Gelenk- und Rückenschmerzen lindern, das Risiko für viele Krebsarten senken und das Immunsystem stärken.

Waldspaziergänge können darüber hinaus das Selbstwertgefühl steigern, die Stimmung heben und Stress abbauen. Das Gehirn wird besser mit Sauerstoff versorgt und die Ausschüttung von Endorphinen (Glückshormonen) wird angeregt.

In dieser Jahreszeit, wenn es draußen windig und kühl ist, musst du vielleicht erst einmal deinen inneren Schweinehund überwinden. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und wenn du das positive Gefühl beim Laufen immer wieder empfindest, entsteht nach und nach eine neue Gewohnheit.

 Für den kurzen Beitrag „Der Wald entspannt“ aus der ARD Mediathek hier klicken 

Nach Hause kommen

„Alles ist da!“ Wenige Worte, die doch unglaublich viel ausdrücken. Dieses Gefühl hatte eine Klientin, nachdem sie sich voll und ganz auf eine Übung in der Natur eingelassen hatte. Als sie mir von ihrem Erleben erzählte, leuchteten ihre Augen und ich blickte in ein zufriedenes Gesicht.

Zwei Wochen zuvor war genau diese Frau erschöpft zu mir gekommen – der Alltag schien sie aufzufressen und sie fühlte sich urlaubsreif. Zeit für eine Reise hatte sie aber nicht. Damals arbeiteten wir mit dem „Kreis des Selbst“ und ihre offene Haltung schaffte einen Raum für alles was sich zeigen wollte: Trauer, Wut, Freude, Lebendigkeit, Liebe,… und am Ende die Erkenntnis: „Alles gehört irgendwie dazu. Alles hat seinen Platz. Alles fließt.“ Das Leben kann nicht nach einem vorgegebenen Lebensplan gelebt werden. Brüche und Krisen gehören dazu und es gibt stets die Möglichkeit eines Neuanfangs. Dieser Anfang war gemacht…

Bei unserem letzten Treffen beschrieb ich ihr zuerst die besondere Haltung, in der sie sich durch die Natur bewegen sollte: offen, neugierig, schauend und nicht wertend. Sich von der Natur ansprechen lassen, ohne den Alltagsgedanken nachzuhängen. Sie brachte mehrere Symbole von ihrem Spaziergang mit, von denen einige sie tief berührten und wieder war dieses Leuchten in ihren Augen zu sehen.

Am eindrücklichsten für uns beide aber war ihr eingangs erwähntes Gefühl: „Alles ist da!“ Ihre innere Stimme hatte sie zu einem Platz geführt, an dem sie auftanken konnte. Im Alltag wäre sie vermutlich achtlos daran vorbeigelaufen doch an diesem Tag empfand sie ihn als großes Geschenk. Er verhalf ihr zu der Erkenntnis: „Ich muss nicht immer in die Berge oder ans Meer fahren. Ich kann auch daheim Kraft tanken.“

Es ist immer wieder faszinierend und erfüllend, wie das achtsame „in der Natur sein“ Menschen verändert. Sie erleben einen natürlichen Einklang mit sich selbst und der Natur, kommen zur Ruhe und für manche fühlt es sich wie ein „nach Hause kommen“ an.