„einfach sein“ – Erfahrungsbericht

Eine Teilnehmerin berichtet…

Um zu verstehen, worin für mich die Qualität dieser wenigen Tage im Herbst bestand, muss man zuerst wissen, aus welcher Situation ich dorthin kam: Ich bin Mutter von vier Kindern zwischen 2 und 9 Jahren, freiberufliche Regisseurin, 41 Jahre alt, in Stuttgart lebend und mein Körper fing langsam an Alarm zu schlagen. Ich brauchte eine Auszeit, konnte mir aber nicht vorstellen, für längere Zeit zu Hause auszufallen. Mein Mann meldete mich schließlich an, weil er Angst hatte, dass ich ansonsten einen Rückzieher machen könnte. Ich hatte keine Vorstellung davon, was auf mich zukommen würde und hatte mir fest vorgenommen, ganz offen zu sein für alles.

Wir trafen uns zu Beginn in einem Raum, den Silke und Barbara vorbereitet hatten und in dem an den darauffolgenden Tagen die Morgen- und Abendrunden stattfinden sollten. Jetzt möchte ich nicht darüber erzählen, was die beiden wann und wie gemacht haben, denn das blieb mir gar nicht so richtig in Erinnerung, sondern darüber, was für mich, ganz persönlich, an diesen vier Tagen passiert ist. Ich habe mir ganz einfache Fragen gestellt, die meine derzeitige Lebenssituation betreffen und hatte Zeit und Raum, mich mit diesen Fragen und Themen zu beschäftigen. Ich war sehr viel allein in der Natur und durfte den Fokus nur auf mich richten – fühlte mich entschleunigt, gereinigt, gepflegt, gestärkt und hatte wieder einen klaren, wohlwollenden Blick auf mich selbst.

Barbara und Silke waren für mich wie zwei Wegweiser, die ganz zurückhaltend Anstöße und Blickwinkelwechsel gaben. Die mich in diese kraftvolle, heilende Natur geschickt haben, deren unbändige Energie und Ruhe ich lange nicht mehr so wahrgenommen habe. Die mich vor allem viel allein gelassen haben mit meinem „Lebensmaterial“. Das fand ich ganz besonders wichtig und gut! So hatte ich am Ende dieser Auszeit das Gefühl, dass ich eigentlich das meiste ganz alleine gelöst, oder zumindest mich auf den Weg gemacht habe.

C.G.

Wir nehmen die persönlichen Daten unserer Teilnehmer/innen sehr ernst. Daher sind nur die Initialen angegeben.

Der Oktober

Fröstelnd geht die Zeit spazieren.
Was vorüber schien, beginnt.
Chrysanthemen blühn und frieren.
Fröstelnd geht die Zeit spazieren.
Und du folgst ihr wie ein Kind.

Geh nur weiter. Bleib nicht stehen.
Kehr nicht um, als sei’s zuviel.
Bis ans Ende musst du gehen.
Hadre nicht in den Alleen.
Ist der Weg denn schuld am Ziel?

Geh nicht wie mit fremden Füßen,
und als hätt’st du dich verirrt.
Willst du nicht die Rosen grüßen?
Laß den Herbst nicht dafür büßen,
daß es Winter werden wird.

An den Wegen, in den Wiesen
leuchten, wie auf grünen Fliesen,
Bäume bunt und blumenschön.
Sind’s Buketts für sanfte Riesen?
Geh nur weiter. Bleib nicht stehn.

Blätter tanzen sterbensheiter
ihre letzten Menuetts.
Folge folgsam dem Begleiter.
Bleib nicht stehen. Geh nur weiter.
Denn das Jahr ist dein Gesetz.

Nebel zaubern in der Lichtung
eine Welt des Ungefährs.
Raum wird Traum. Und Rauch wird Dichtung.
Folg der Zeit. Sie weiß die Richtung.
„Stirb und werde!“ nannte er’s.

Erich Kästner