Den eigenen Weg finden

Viele von euch haben sicherlich schon einmal etwas von Tanz-, Mal-, oder Musiktherapie gehört. Die Naturtherapie ist noch relativ unbekannt und das darf sich ändern 😊

Bei Naturtherapeuten gibt es sowohl Indoor- als auch Outdoor-Sitzungen. Der Wald ist für uns sozusagen ein lebendigen Praxisraum. Dort haben wir Menschen einen räumlichen und seelischen Abstand zu unseren Alltagsproblemen und beim Gehen können Prozesse leichter in Gang gesetzt werden.

Die „Sitzung“ draußen kann folgendermaßen ablaufen: Du kommst mit deinem Anliegen (Problem, Frage,… etc.) zu mir, wir laufen gemeinsam ein Stück in den Wald hinein und reden über das, was dich gerade beschäftigt. Wenn ich dich zu einer Übung einlade und du damit einverstanden bist, trennen sich unsere Wege für kurze Zeit.

Dann überschreitest du eine Grenze zwischen Alltagswelt und dem Wald als Wandlungs- und Heilraum. Das klingt vielleicht etwas esoterisch, ist es aber nicht. Du veränderst beim bewussten Eintreten in den sog. „Schwellenraum“ deine innere Haltung und lässt dich von deinem Gefühl leiten. Auf diese Weise findet dein Unterbewusstsein den für dich passenden Platz. Anfangs weißt du vermutlich nicht einmal, warum du diesen ausgesucht hast. Wenn du dort verweilst, wird sich dein Thema zeigen. Auch unbewusste, belastende Konflikte können dir bewusst werden.

Vielleicht fühlst du dich von einem „Naturgegenstand“ magisch angezogen. Er rührt etwas in dir an und du möchtest dich näher damit beschäftigen. Dieser Gegenstand wird zum Symbol, weil du ihn unbewusst mit einem Sinn zusammenbringst und mehr darin siehst, als das Offensichtliche. Er ist für dich bedeutungsvoll. Seine tiefere Bedeutung kannst du im anschließenden Therapiegespräch erfahren. Über die Auseinandersetzung mit dem Symbol kannst du Antworten finden und wirst dir deinem eigenen Entwicklungsprozess bewusst.

Eine Naturerfahrung kann uns den nächsten Schritt aufzeigen.

Ein Klientin grübelte seit Wochen über eine berufliche Veränderung. Bei der Übung zog es sie in einen sehr geordneten Wald. Dort setzte sie sich auf die Wurzel eines Baumes, lehnte sich am Stamm an und ließ die Umgebung auf sich wirken. Sie fühlte sich wohl. In diesem Moment wurde ihr bewusst, dass Ordnung und Struktur eine wichtige Rolle in ihrem Leben spielten. Diese gaben ihr Sicherheit. Sie entschied sich gegen den Schritt in die Selbstständigkeit, weil diese – zumindest aktuell – mit zu vielen Unsicherheiten verbunden war.

Ein sehr leistungsorientierter Klient fühlte sich müde und erschöpft. In der Natur musste er eigentlich auf niemanden reagieren und niemandem etwas beweisen. Trotzdem hatte er auch im Wald einen hohen Anspruch an sich selbst. Er verhielt sich in charakteristischer Art und Weise! Nach dem Motto: „Meine Übung muss besonders gut werden.“ Im Therapiegespräch konnten die starren Verhaltensmuster erkannt und nach und nach gelockert werden.

In der Natur können wir neue Erkenntnisse gewinnen und uns Klarheit verschaffen. Wir können zu uns selbst finden, festen Boden unter den Füßen gewinnen und unseren Weg zuversichtlich weitergehen

Ballast abwerfen

In der persischen Mystik wird von einem Wanderer erzählt, der mühselig auf einer endlos langen Strasse entlang zog. Er war über und über mit Lasten behangen. Ein schwerer Sandsack hing an seinem Rücken, um seinen Körper war ein dicker Wasserschlauch geschlungen. In der rechten Hand schleppte er einen unförmigen Stein, in der linken einen Geröllbrocken. Um seinen Hals baumelte an einem ausgefransten Strick ein alter Mühlstein. Rostige Ketten, an denen er schwere Gewichte durch den staubigen Sand schleifte, wanden sich um seine Fußgelenke. Auf dem Kopf balancierte der Mann einen halbfaulen Kürbis. Bei jedem Schritt, den er machte, klirrten die Ketten. Ächzend und stöhnend bewegte er sich Schritt für Schritt vorwärts, beklagte sein hartes Schicksal und die Müdigkeit, die ihn quälte.

Auf seinem Wege begegnete ihm in der glühenden Mittagshitze ein Bauer. Der fragte ihn: »Oh, müder Wanderer, warum belastest du dich mit diesen Felsbrocken?« – »Zu dumm«, antwortete der Wanderer, »aber ich hatte sie bisher noch nicht bemerkt. « Darauf warf er die Brocken weit weg und fühlte sich viel leichter.

Wiederum kam ihm nach einer langen Wegstrecke ein Bauer entgegen, der sich erkundigte: »Sag, müder Wanderer, warum plagst du dich mit dem halbfaulen Kürbis auf dem Kopf und schleppst an Ketten so schwere Eisengewichte hinter dir her?« Es antwortete der Wanderer: »Ich bin sehr froh, dass du mich darauf aufmerksam machst; ich habe nicht gewusst, was ich mir damit antue.« Er schüttelte die Ketten ab und zerschmetterte den Kürbis im Straßengraben. Wieder fühlte er sich leichter. 

Doch je weiter er ging, um so mehr begann er wieder zu leiden. Ein Bauer, der vom Feld kam, betrachtete den Wanderer erstaunt: »Oh, guter Mann, du trägst Sand im Rucksack, doch was du da in weiter Ferne siehst, ist mehr Sand, als du jemals tragen könntest. Und wie groß ist dein Wasserschlauch als wolltest du die Wüste Kawir durchwandern. Dabei fließt neben dir ein klarer Fluss, der deinen Weg noch weit begleiten wird!« – »Dank dir, Bauer, jetzt merke ich, was ich mit mir herumgeschleppt habe.«

Mit diesen Worten riss der Wanderer den Wasserschlauch auf, dessen brackiges Wasser auf dem Weg versickerte, und füllte mit dem Sand aus dem Rucksack ein Schlagloch. Sinnend stand er da und schaute in die untergehende Sonne. Die letzten Sonnenstrahlen schickten ihm die Erleuchtung: Er blickte an sich herab, sah den schweren Mühlstein an seinem Hals und merkte plötzlich, dass der Stein es war, der ihn noch so gebückt gehen ließ. Er band ihn los und warf ihn, so weit er konnte, in den Fluss hinab. 

Frei von seinen Lasten wanderte er durch die Abendkühle, eine Herberge zu finden.

Quelle: Der Kaufmann und der Papagei von Nossrat Peseschkian

Mitunter tragen wir unnötigerweise zahlreiche Lasten mit uns herum, die unser Vorankommen erschweren. Aus Gewohnheit oder aus dem Glauben heraus, dass wir ohne bestimmte Dinge nicht leben können. Manchmal brauchen wir ein achtsames Gegenüber das uns dabei hilft, den Ballast als solchen zu erkennen und abzuwerfen.

Willy Astor – Einfach sein

Zwei Worte mit großer Bedeutung! Einfach mal wieder EINFACH sein und einfach SEIN 😊

Einfach leben, gar nicht so leicht
Einfach ist tief und nicht seicht und vielleicht
Ist es am Schwersten es wieder zu sein
Einfach, einfach sein
Mach den Versuch wieder einfach zu sein
Ein Tisch ein Stuhl ein Kerzenschein
Ein Blatt Papier zwei Herzen ein Reim
Einfach, einfach sein
Einfach sein auch wenn es schwierig ist
Auch wenn die Gier noch so gierig ist
Das zu entdecken hinter dem Dunst
Einfach sein ist die Kunst
Wie das Programm ist der Fernseher flach
Warum ist am Waldrand mein WLAN so schwach
Und jeden Tag wird er trüber mein Blick
Ich geh wieder auf Los zurück
Augen zu haben für’s Abendrot
Und gute Freunde in der Not
Ja das klinkt einfach ist aber wahr
Einfach und bitter wahr
Die Keller die Wohnung alles voll Zeugs
Ich steh‘ davor und beäug’s
Ist das der Wohlstand den ich unbedingt brauch
Fragst Du Dich so was auch?
Wir fliegen zum Mars so als ob sich das lohnt
Und leben ein Leben hinterm Mond
Sägen mit Eifer am eigenen Mast
Und eigentlich sind wir nur zu Gast
Wann sind wir einfach mal nur zufrieden
Und hören endlich auf uns zu bekriegen
Denn wenn ein Frieden für immer hält
Wie viel schöner wär‘ sie diese Welt
Unser Planet hier bietet uns an
Dass man nach dem aus- auch noch einatmen kann
Ganz einfach ganz simpel zum Leben gemacht
Für jeden ein Platz Tag und Nacht
Leg deine Maske in einen Fluss
Gib einer wildfremden Oma ein‘ Kuss
Lache mal laut in den Spiegel hinein
Beschließ einfach glücklich zu sein
Einfach einfach sein

,

Helden

Wir haben auch keine Zauberformel, die alles wieder ins rechte Lot rückt.

Therapeuten sind Wegbegleiter, die Möglichkeiten der Veränderung aufzeigen. Den Weg muss aber jeder Mensch selber gehen.

Dr. Wernher Sachon sagt über die Naturtherapie: „Therapie“ im hier verwendeten Sinne (…) meint ein „Begleiten“, d.h. eine personale und dialogische Beziehung zu einem anderen Menschen, die einen hilfreichen Kontext für Selbsterkenntnis und Veränderung, für Entwicklung und Gesundung zur Verfügung stellt.“

Die Klienten sind Helden, wenn sie mutig den nächsten Schritt wagen, sich entscheiden und handeln.

Lebendiger Praxisraum

Im Wald haben wir einen räumlichen und seelischen Abstand zu unseren Alltagsproblemen. Wir sind darüber hinaus den Lebensprozessen des Werdens und Vergehens nah. Das setzt Kräfte frei, die uns dabei helfen, vieles im Leben wieder klarer zu sehen.

Wenn wir uns von bestimmten Vorstellungen und vorgefassten Konzepten lösen, kann ein Dialog zwischen innerer und äußerer Natur stattfinden. Wir lassen die Dinge auf uns zukommen, gehen in Resonanz und können Neues erfahren.

Und ganz nebenbei kommt bei der Bewegung draußen der Kreislauf in Schwung, die Atmung vertieft sich, der Körper schüttet stimmungsaufhellende Substanzen aus (Serotonin, Endorphine, Noradrenalin) und unser Stresshormonspiegel sinkt. Wir entspannen ❤️

,

Schreib mal wieder

Was fördert der Gang zum Briefkasten in der Regel zu Tage? Unmengen von Werbeprospekten, Kataloge und unliebsame Rechnungen. Was für eine Freude, wenn wir dazwischen eine bunte Postkarte oder einen per Hand beschrifteten Briefumschlag entdecken.

Im Zeitalter der Digitalisierung eine Seltenheit. Alles muss schnell gehen, denn Zeit ist ein kostbares und knappes Gut. Wie schön, wenn sich jemand einfach diese Zeit nimmt. Nur für mich. Ein besonderer Ausdruck von Wertschätzung.

Befolgt man Goethes Rat, dann ist das Schreiben auch kein Hexenwerk.

Du oder Sie?

Auf meiner Homepage begrüße ich die Besucher mit den Worten: „Schön, dass du da bist!“ Als ich meine Website erstellt habe, war das „Sie“ für mich selbstverständlich. Schließlich kenne ich meine potenziellen Klienten noch nicht persönlich.

Dann kam mein Blog hinzu, den ich auf Facebook teilen wollte und plötzlich fühlte sich die Sie-Form nicht mehr stimmig an. Ich schaute mir andere Seiten an, um mir einen Eindruck zu verschaffen und entdeckte dabei folgende Anreden:

  • durchgängig entweder per Du oder per Sie
  • das verallgemeinernde „man“
  • „du“ und „Sie“ auf einer Seite.

Schließlich entschied ich mich doch für das „Du“.

In Deutschland überschreitet ein Therapeut, der sich von seinem Klienten duzen lässt, ein ungeschriebenes Gesetz. Die privat klingende Anrede könnte die beruflich-therapeutische Beziehung verletzen.

Das sehe ich anders.

Menschen sind unterschiedlich und haben folglich z.B. auch verschiedene Nähe-Distanzbedürfnisse. Um eine bestmögliche Übereinstimmung zu erreichen, hilft ein offenes Gespräch. Wir führen in der Therapie einen Dialog auf Augenhöhe – von Mensch zu Mensch. Ob nun per Sie oder per Du spielt für mich eine untergeordnete Rolle. Wichtig ist, dass es für beide Seiten passt.

,

Geburtstage

Geburtstage sind toll. Ein Vorteil unserer heutigen Onlinewelt: Ich bekomme auch Glückwünsche von Menschen, die ich / die mich über Facebook wiedergefunden habe/n und plötzlich werden Erinnerungen wach. Ich frage mich, was aus meinen WeggefährtInnen von damals geworden ist und vereinbare einfach Treffen, um Antworten auf die Frage zu bekommen. Eine kleine Anregung für euch ❤️

Erinnere dich an die Vergangenheit, träume von der Zukunft, aber lebe heute. Sören Kierkegaard

,

Neues Leben

In jedem Moment beginnt ein neues Leben

1, 2, 3, 4, 5.
Die Uhr tickt.
Sekunde für Sekunde.
Dein Leben fliegt vorbei – ein Moment nach dem anderen.
Du lebst.
Du bist.
Aber wer?
Wer bist du?
Und: wer oder was entscheidet darüber, wer du bist?
Bist du jetzt der, der du vor 5 Minuten warst – vor 5 Sekunden?
Musst du dieser jemand auch in 10 Minuten noch sein?
Willst du dieser jemand sein?
Was geschah in deiner Vergangenheit?
Wie sieht deine Zukunft aus?
Und ist es wirklich wichtig?
Zählt nicht jeder Augenblick für sich?
Ist nicht jeder Moment ein neues Leben?
Oder der Beginn eines solchen?
Welchen Unterschied machen Zeit, Ort und Raum?
Bist Du nicht immer Du – bzw. kannst es sein?
Jeder Moment kann alles verändern.
Jeden Moment kannst du alles verändern.
Jeden Moment kannst du nutzen, um ihn zu genießen, um glücklich zu sein.
Glücklich über die kleinsten Dinge – oder einfach ohne Grund.
Das Leben passiert im Jetzt. Nie im Gestern, nie im Morgen.
Du bist immer Hier. Nie woanders.
Du bist alles was du hast – du trägst alles in dir, was du brauchst.
Deine Vergangenheit ist geschrieben.
Klapp dieses Buch zu, fang ein Neues an.
Schreibe deine Geschichte.
Fortlaufend oder immer wieder neu.
Dieser Moment ist alles was du hast, alles was du brauchst.
Du kennst die Zukunft nicht, kannst deine Vergangenheit nicht ändern.
Also tue nur eins:
Lebe wer du bist.
Genieße es – Moment für Moment.
Mache deinen Alltag zu einem Erlebnis – immer & immer wieder.

Verfasser unbekannt

,

Sisyphos

Sisyphos ist dazu verurteilt, einen Felsblock den Berg hinaufzuwälzen. Aber immer, wenn er ihn fast oben hat, überwältigt ihn der schwere Stein, rollt an den Fuß des Berges zurück und er muss von neuem beginnen.

Im Leben geht es uns immer wieder wie Sisyphos. Unsere „Felsblöcke“ sind z.B. die Suche der geeigneten Ausbildung, des passenden Studiums, des erfüllenden Berufes, des richtigen  Partners oder der eigenen Identität. 

Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen, forderte Albert Camus (1913-1960): „Der Kampf gegen Gipfel vermag ein Menschenherz auszufüllen.“

Sisyphos schaffte es immer sehr weit – bis fast an die Spitze. 

Seinen Abstieg können wir als Phase des Übergangs und der Neuorientierung betrachten. In jedem von uns steckt ein Teil, der etwas aus seinem Leben machen will, der Veränderung und Weiterentwicklung sucht. Auch wenn es manchmal mühsam ist, wir uns ärgern und ein echter Erfolg ausbleibt, so scheint unsere Tätigkeit nicht nutzlos. Tief im Inneren wissen wir, dass unsere Bemühung sinnvoll ist – dass sich die Anstrengung lohnt, auch wenn wir den Gipfel nicht erreichen.