5 vor 12

Vor wenigen Tagen erzählte mir eine Bekannte von ihrer schwer erkrankten, im Hospiz lebenden Freundin. Diese hatte gesagt: „Ich frage mich, ob ich überhaupt richtig gelebt habe.“ Im ersten Moment sind solche Worte eines nahestehenden Menschen erschütternd. So eine Erschütterung kann einen aber auch wachrütteln und dazu bewegen, das eigene Leben zu überdenken.

Die australische Krankenschwester Bronnie Ware begleitete als Palliativpflegerin Menschen auf ihrem letzten Weg und schrieb über ihre Erlebnisse bzw. die Gespräche mit den Todgeweihten ein Buch:

„The Top Five Regrets of the Dying“ – „Die fünf Dinge, die Sterbende am meisten bereuen“:

  1. Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mein Leben nach meinen Vorstellungen zu leben, und nicht nach den Vorstellungen der anderen.
  2. Ich wünschte, ich hätte nicht so hart gearbeitet.
  3. Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meine Gefühle auszudrücken.
  4. Ich wünschte, ich hätte den Kontakt zu meinen Freunden gepflegt.
  5. Ich wünschte, ich hätte mir erlaubt, glücklicher zu sein.

Die Sterbenden machten sich Selbstvorwürfe, weil diese Erkenntnis erst kam, als es bereits zu spät war.

In unserer schnelllebigen Zeit ist bei vielen Menschen „5 vor 12“. Gerade noch Zeit genug, um in sich hineinzuhorchen: „Lebe ich wirklich mein Leben?“ Vielleicht sind es nur Kleinigkeiten, die es zu verändern gilt, damit man sich später nicht sagen muss: „Ich wünschte, ich hätte…“

Vor 10 Jahren hatte ich selbst einen schweren Unfall und es dauerte eine Weile, bis ich physisch „ganz die Alte“ war. Meine Einstellung zum Leben hat sich seither grundlegend geändert und ich verspüre ein tiefes Gefühl von Dankbarkeit für diese zweite Chance. Ich schätze vieles im Leben mehr – auch die alltäglichen Dinge.