,

Abwehrmechanismen erkennen

Wir alle haben psychische Abwehrmechanismen. Sie sind Schutzmechanismen, die uns vor unguten Gefühlen schützen, Ängste verringern und unser seelisches Gleichgewicht erhalten sollen. Das ist natürlich, gesund und geschieht meist unbewusst.
Abwehrmechanismen sind sinnvoll und notwendig. Wie sonst sollten wir unseren Alltag meistern? Mit all den Einflüssen der Außenwelt und unseren eigenen Empfindungen, die uns ganz schön fordern und manchmal überfordern. Wir werden enttäuscht, verlassen, übergangen, mit Schreckensmeldungen überhäuft, erreichen manche Ziele nicht,… und finden trotzdem die Kraft weiterzuleben. Indem wir unerfreuliche Tatsachen und Gefühle abwehren, können wir inneren Konflikten aus dem Weg gehen.
Durch die Unterdrückung der Gefühle wird der innere Konflikt aber häufig verstärkt und drückt sich dann auf andere Art und Weise aus – wie nachfolgende Beispiele verdeutlichen.
➡️ Die Verdrängung ist einer der wichtigsten Abwehrmechanismen: Gedanken, Gefühle, Erinnerungen, verbotene Triebe und unangenehme, schmerzliche, angstauslösende Erfahrungen werden aus dem Bewusstsein gedrängt und ins Unbewusste verschoben. Besonders beschämende oder peinliche Erlebnisse können nur schwer erinnert werden, wodurch z.B. Scham, Schuld, Angst oder Minderwertigkeitsgefühle abgewehrt werden. Auf der einen Seite schützt uns die Verdrängung und auf der anderen Seite kann sie uns krank machen. Wenn Belastendes unbewältigt und unbearbeitet bleibt und Triebimpulse verdrängt werden, kommen sie u.a. in Krankheitssymptomen wieder zum Vorschein. Konflikte müssen ins Bewusstsein geholt werden, um sie zu verarbeiten.
Beispiel: Als Kind hatte eine Frau nach der Scheidung der Eltern gegenüber ihrer Mutter starke aggressive Impulse. Sie wünschte ihr den Tod und hatte deshalb Schuldgefühle. Als Erwachsene kann sie sich nicht mehr an die Situation von damals erinnern. Bei der Pflege ihrer Mutter kommt es jedoch zu Angstsymptomen und psychosomatischen Reaktionen. Die negativen Gefühle gegenüber der Mutter wurden von ihr in der Kindheit verdrängt. Es war einfacher, diese im Unterbewusstsein zu vergraben, als auch noch den möglichen Verlust der Zuneigung der Mutter zu verkraften.
➡️ Ein weiterer Abwehrmechanismus ist die Verschiebung: Triebe und Impulse gegenüber einer Person werden auf andere Personen oder ein Lebewesen übertragen. Dadurch wird das Ausleben des Impulses möglich, ohne dass die eigentlich gemeinte Person berührt wird und man folglich keine Sanktionen fürchten muss.
Beispiel: Der Ärger über den Chef wird nicht am Arbeitsplatz, wo die Gefühle entstehen, sondern zu Hause in der Familie ausgedrückt. Oder: Die Wut auf den eigenen Vater wird am Haustier ausgelassen.
Eine Aggressionsverschiebung kann sich auch gegen die eigene Person richten. Dies ist häufig der Fall, wenn die Aggression eigentlich einer wichtigen Bezugsperson gilt, aber das Ausleben diese Beziehung gefährden würde. Autoaggressionen haben häufig Appellcharakter, im Sinne von „Ich möchte gesehen und wahrgenommen werden“.
➡️ Die Projektion ist ebenfalls ein häufiger Abwehrmechanismus.: Unerlaubte und verdrängte Regungen, Eigenschaften, Schwächen oder Probleme, die eine Person bei sich selbst nicht akzeptieren kann, nimmt sie bei anderen Personen wahr und kritisiert sie.
Beispiel: Ein Mann hat Aggressionen gegenüber einem Kollegen und nimmt die eigene Aggressivität nicht bewusst wahr. Er erlebt seinen Kollegen als aggressiv, obwohl dieser es nicht ist. Oder: Wir nehmen es selbst nicht so genau mit der Wahrheit und unterstellen anderen häufig, dass sie lügen.
Es gibt noch unzählige weitere Abwehrmechanismen. Wir verleugnen, isolieren, intellektualisieren, kompensieren, identifizieren, vermeiden, dissoziieren,… u.s.f.
Wenn Abwehrmechanismen eine Extremform einnehmen und uns Probleme bereiten, sollten wir versuchen, diese zu erkennen und zu überwinden. Gerne unterstütze ich dich dabei ❤️
Sie zu kennen hilft, unser eigenes Denken, Fühlen und Handeln und das der anderen Menschen besser verstehen zu können.