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Narzissmus oder Selbstliebe

Pathologischer Narzissmus oder gesunde Selbstliebe? Dem Mythos nach, wird Narziss aufgrund seiner Schönheit sowohl von Männern als auch von Frauen umworben, die er allesamt verschmäht und zurückweist. Narziss wird wegen dieses Verhaltens von der Göttin Nemesis mit unstillbarer Selbstliebe bestraft. Als er eines Tages sein Spiegelbild an einer Quelle erblickt, verliebt er sich in dieses und verbringt von nun an Tag und Nacht dort. Schließlich ertrinkt er im Versuch, das geliebte Wesen zu umarmen. An der Stelle, an der er zuvor gesessen hatte, wächst eine Narzisse.

Heutzutage wird die Bezeichnung „Narzissmus“ schon fast inflationär gebraucht. Im Alltag bezeichnen wir Menschen so, wenn diese sich übermäßig attraktiv oder in sonstiger Hinsicht überragend finden, sich egoistisch, arrogant oder rücksichtslos verhalten.

Eine narzisstische Persönlichkeitsstörung ist aber tiefgreifend und wie folgt definiert: Die Betroffenen haben (nach DSM) eine übertriebene Vorstellung davon, wie wichtig sie selbst sind. Sie fordern und erwarten, ständig von anderen bewundert und gelobt zu werden. Gleichzeitig können sie nur in eingeschränktem Umfang die Perspektiven anderer Menschen einnehmen. Die Störung beginnt in der Jugend oder im frühen Erwachsenenalter. Es müssen mindestens fünf der folgenden Kriterien erfüllt sein:

1. Die Betroffenen haben ein grandioses Verständnis der eigenen Wichtigkeit. Sie übertreiben zum Beispiel ihre Leistungen und Talente oder erwarten ohne entsprechende Leistungen, von anderen als überlegen anerkannt zu werden.
2. Sie sind stark von Phantasien über grenzenlosen Erfolg, Macht, Brillanz, Schönheit oder idealer Liebe eingenommen.
3. Sie glauben von sich, „besonders“ und einzigartig zu sein. Deshalb sind sie überzeugt, nur von anderen „besonderen“ oder hochgestellten Menschen verstanden zu werden oder nur mit diesen Kontakt pflegen zu müssen.
4. Sie benötigen exzessive Bewunderung.
5. Sie legen ein hohes Anspruchsdenken an den Tag. Das bedeutet, dass sie die übertriebene Erwartung haben, dass automatisch auf die Erwartungen eingegangen wird oder dass sie besonders günstig behandelt werden.
6. Sie verhalten sich in zwischenmenschlichen Beziehungen ausbeuterisch, das heißt, sie nutzen andere aus, um ihre eigenen Ziele zu erreichen.
7. Sie zeigen einen Mangel an Einfühlungsvermögen, das heißt, sie sind nicht bereit, die Gefühle oder Bedürfnisse anderer zu erkennen, zu akzeptieren oder sich in sie hineinzuversetzen.
8. Sie sind häufig neidisch auf andere oder glauben, andere seien neidisch auf sie.
9. Sie zeigen arrogante, hochmütige Verhaltensweisen oder Ansichten.

Im Gegensatz zum Narzissten muss sich ein Mensch mit gesunder Selbstliebe nicht künstlich erhöhen. Er nimmt sich so an, wie er ist – mit allen (vermeintlichen) Fehlern und Schwächen. Fühlt sich als Teil der Welt und nicht als Mittelpunkt dieser. Hält sich für genauso wertvoll wie andere Menschen und braucht nicht deren permanente Bewunderung. Sucht nicht immerzu die Bestätigung von außen, dass er liebenswert ist. Dem bekannten Sozialpsychologen Erich Fromm zufolge ist Selbstliebe sogar die Grundvoraussetzung dafür, jemand anderen lieben zu können ❤️

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Muße

Zur Muße gehört die innere Bereitschaft in der Gegenwart zu verweilen und dann Ruhe zu finden. Der Psychologe Prof. Dr. Stefan Schmidt („Sonderforschungsbereich Muße“ der Uni Freiburg) sagt: „Muße ist so eine Orientierung in der Gegenwart, es hat was mit Freiheit zu tun, es hat was mit Gelassenheit zu tun, und es hat was mit Unproduktivität in dem Sinne zu tun, dass ich jetzt nicht funktional unterwegs bin. Das, was ich gerade tue, genügt mir.“

„Je mehr ich in Unruhe und Tätigkeit im Tun-Modus und in Produktivität unterwegs bin, desto mehr gewöhnt sich mein inneres Sein, mein Geist, auch an diesen Punkt. Wenn man dann mal die Zeit hat, dann findet man die Ruhe nicht mehr, weil man ja innerlich schon so auf Unruhe gepolt ist.“

(Quelle: www.deutschlandfunkkultur.de)

Schutz vor Zecken

Bei Aufenthalt im hohen Gras, Gebüsch oder Unterholz, bietet das Tragen geschlossener Kleidung (feste Schuhe, lange Hosen, lange Ärmel) einen gewissen Schutz. Dadurch wird es einer Zecke erschwert, eine geeignete Hautstelle für eine Blutmahlzeit zu finden. Werden die Hosenbeine zudem in die Socken gesteckt, ist die Zecke gezwungen, auf der Kleidung nach oben zu laufen, was ihre Auffindung erleichtert. Die Anwendung von Repellentien (Akarizide) auf der Haut schützt ebenfalls, dieser Schutz ist aber zeitlich begrenzt. Falls geeignet (keine Fleckenbildung) sollten Repellentien auch auf die Kleidung aufgetragen werden. Nach einem Aufenthalt im Freien sollte der Körper nach Zecken abgesucht werden und diese sofort entfernt werden. Insbesondere sollte man Kinder nach dem Spielen im Freien gründlich untersuchen. Zecken bevorzugen Stichstellen wie zum Beispiel Haaransatz, Ohren, Hals, Achseln, Ellenbeuge, Bauchnabel, Genitalbereich oder Kniekehle. Das Tragen von heller Kleidung erleichtert das Auffinden von Zecken. Katzen sollten bei Freigang im Grünen auch Repellentien zur Zeckenabwehr erhalten.

Da Zecken nicht sofort zustechen, sondern auf der Suche nach einer geeigneten Stichstelle zunächst auf dem Körper bzw. der Kleidung umher laufen, können sie durch regelmäßiges Absuchen bereits vor dem Stechen entfernt werden. Nach einem Einstich dauert es bis zu 1 bis 2 Tagen, bis Borrelien übertragen werden. Die Übertragung von FSME-Viren erfolgt dagegen schon innerhalb kurzer Zeit nach dem Stich. Das rechtzeitige Entfernen von Zecken vermindert also vor allem das Risiko einer Infektion mit Borrelien erheblich.

Um das Infektionsrisiko zu minimieren, sollte die Zecke sobald wie möglich herausgezogen werden. Dabei sollten möglichst alle Teile der Zecke entfernt werden, um eine Entzündung zu vermeiden. Hierzu greift man die Zecke mit einer Pinzette oder einem speziellen Zeckenentfernungsinstrument nahe der Hautoberfläche, also an ihren Mundwerkzeugen (niemals am vollgesogenen Körper!) und zieht sie langsam und gerade aus der Haut. Möglichst sollte die Zecke dabei nicht gedreht werden, und auf keinen Fall darf sie vor dem Entfernen mit Öl oder Klebstoff beträufelt werden. Dies würde das Tier unnötig reizen und könnte dazu führen, dass es seinen Speichel und somit mögliche Infektionserreger abgibt. Nach Entfernung der Zecke ist eine sorgfältige Desinfektion der Wunde empfohlen. Eine Bilderserie „Entfernung einer Zecke“ finden Sie auf den Internetseiten des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit Link

Falls kein Zeckenentfernungsinstrument oder Desinfektionsmittel zur Hand ist sollte die Zecke trotzdem sofort entfernt werden (z.B. mit dem Fingernagel), da so der Übergang von Krankheitserregern verhindert werden kann.

Stand: 29.01.2018

Für weitere Informationen hier klicken

Quelle: Robert Koch Institut, Stand 29.01.2018

Urlaub fürs Oberstübchen

Aufmerksamkeit ist eine der wichtigsten Basisleistungen unseres Gehirns. Wir müssen überall aufmerksam sein – sei es in der Schule, bei der Arbeit, im Haushalt oder Straßenverkehr.

„Beim Autofahren werden alle Teilprozesse der Aufmerksamkeit kontinuierlich benötigt. Man muss wachsam sein (Arousal), die Aufmerksamkeit auf einen Reiz auf der Straße konzentrieren können (fokussierte Aufmerksamkeit), über einen langen Zeitraum aufmerksam sein (Daueraufmerksamkeit), Ablenkungen durch irrelevante Reize verhindern (selektive Aufmerksamkeit), die Aufmerksamkeit von einer Fahrbahn auf die andere, zum Spiegel und zurück zur Fahrbahn lenken können (alternierende Aufmerksamkeit) und fähig sein, gleichzeitig alle Tätigkeiten, die für das Fahren nötig sind, auszuüben: die Pedale betätigen, das Lenkrad steuern, den Gang verändern (geteilte Aufmerksamkeit).“ (https://www.cognifit.com/de/aufmerksamkeit)

Ein alltäglicher Vorgang, der in dieser Beschreibung plötzlich ganz schön komplex & anstrengend klingt, nicht wahr!? Erstaunlich, was wir jeden Tag leisten! Und doch ist es für viele wie selbstverständlich.
Wirklich schätzen können wir diese Fähigkeit häufig erst dann, wenn wir sie – aus welchen Gründen auch immer – einmal verloren haben.

Vor über 10 Jahren musste ich diese Erfahrung machen, nachdem ich durch einen Unfall ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten hatte. Buchstäblich war mit einem Schlag alles anders und glücklicherweise hatte ich schon damals einen guten Draht zu „Doktor Natur“. Vom Krankenbett aus konnte ich einen Baum beobachten – er war aufrecht und im Gleichgewicht. Ein Symbol für Leben, Kraft und Standhaftigkeit. Sein Anblick war Balsam für meinen Körper und meine Seele. Die heilsame Wirkung dieses „Baumblicks“ ist übrigens wissenschaftlich erwiesen, was ich zum damaligen Zeitpunkt allerdings noch nicht wusste.

Später zog es mich hinaus in die Natur und ich lief langsame und achtsame Runden im Wald. Die Ärzte waren über meine rasche Genesung gleichermaßen erstaunt und positiv überrascht. Ich hatte instinktiv die richtige „Wald-Medizin“ für mich gefunden, durch die mir die Einnahme von Medikamenten erspart blieb. Naturerfahrungen können Schmerzen lindern – auch das ist wissenschaftlich belegt.

Nach einigen Monaten bekam ich das Okay meines Neurologen und setzte mich wieder hinters Lenkrad. In diesem Moment wurden mir die o.g. „Teilprozesse der Aufmerksamkeit“ so bewusst wie nie zuvor. Die 75PS meines PKW fühlten sich plötzlich gewaltig an und ich kam mir vor wie in einem Formel-1-Rennwagen. Anfangs fuhr ich wie eine Fahrschülerin in der ersten Fahrstunde, doch recht bald kehrte meine alte Sicherheit zurück. Trotzdem war diese „gerichtete Aufmerksamkeit“ im Straßenverkehr anstrengend. Deshalb legte ich nur kurze Strecken zurück: mit meinem Hund zum Waldrand und nach dem Spaziergang wieder nach Hause zurück. Zwischen den beiden Fahrten erholte ich mich im „großen Grün“. Denn dort spielte eine ganz andere Form der Aufmerksamkeit eine Rolle: die Naturfaszination.

Über diese schreibt Clemens G. Arvay in seinem Buch „Der Biophilia Effekt“: „William James und die beiden Psychologen Rachel und Stephen Kaplan haben herausgefunden, dass Naturfaszination als eine besondere Form der Aufmerksamkeit dazu führt, dass sich unsere Kapazität für die gerichtete Aufmerksamkeit, die wir im Alltag, in der Schule und im Beruf benötigen, wieder erholen kann. Daher sprechen sie von der Aufmerksamkeits-Wiederherstellung… Wenn wir uns von der Natur faszinieren lassen, was ganz automatisch geschieht, sobald wir uns mit geöffneten Sinnen durch die Landschaft bewegen, kann die gerichtete Aufmerksamkeit ruhen, wird durch Faszination abgelöst…“

Am vergangenen Wochenende zog mich eine Blumenwiese am Waldrand förmlich an. Sie faszinierte mich! Ich betrachtete jede Blüte und war begeistert von diesem Anblick. Jede für sich ein Kunstwerk – ein Wunder der Natur. Die Krönung waren die unzähligen Besucher, deren Anblick heutzutage nicht mehr selbstverständlich ist: Bienen sammelten eifrig Pollen, Schmetterlinge tranken Nektar. Wie ein Kind vergaß ich alles um mich herum und darüber hinaus sogar die Zeit. Irgendwann lief ich schließlich doch noch in den Wald und inspiriert durch die soeben gemachte Erfahrung, begab ich mich auf Blumensuche. Erstaunlich was man alles entdeckt, wenn man achtsam unterwegs ist.

Ob im Wald, auf weiten Wiesen, in den Bergen, am Meer oder im Blütenmeer – die Schönheit der Natur präsentiert sich vielfältig. Wer sich mit offenen Augen in ihr bewegt, kann bei jedem Spaziergang kleine Wunder entdecken, dabei entspannen und Kraft tanken. Regelmäßige Aufenthalte in der Natur mindern das Risiko für Krankheiten, senken psychischen Stress und stärken die geistige Leistung. Die Wissenschaftler sind sich einig: Natur ist das beste Heilmittel für unseren strapazierten Denkapparat.