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Bindungserfahrungen in der Kindheit hinterlassen Spuren.Frühkindliche Erfahrungen vor dem dritten Lebensjahr formen die künftige Persönlichkeit des Menschen. Viele sind sich dessen nicht bewusst.

Als Baby brauchen wir Bezugspersonen, die uns halten und streicheln, um wieder zur Ruhe zu kommen. Wir benötigen erwachsene Menschen, die uns liebevoll begegnen, uns annehmen, willkommen heißen, sehen und spiegeln. Wenn wir uns richtig fühlen, können wir die Welt als sicheren Ort wahrnehmen. Nähe und Distanz, Erziehungsstil und Vorbildfunktion setzen elementare Meilensteine für unseren späteren Lebensweg. Sie sind entscheidend für unsere Beziehungen und unsere Fähigkeit, Emotionen und Stress regulieren zu können.

Fehlen die verlässlichen und liebevollen Bezugspersonen – aus welchen Gründen auch immer – kann das gravierende Folgen für unser weiteres Leben haben. Vielen ist dieser Zusammenhang nicht bekannt bzw. nicht bewusst. Manche KlientInnen kommen mit dem diffusen Gefühl zu mir in die Praxis, dass mit ihnen etwas nicht stimmt. Sie fühlen sich z.B. nicht richtig, wertlos oder auch wie abgetrennt.

Einige sind der Meinung, dass ihnen im Leben ja „nichts Schlimmes“ passiert sei und ihre Eltern es immer gut mit ihnen gemeint hätten. Oder aber sie denken, dass ihre Kindheit zwar schlimm war, aber es anderen ja noch viel schlechter ergangen ist.

Dabei kann ein Baby es tatsächlich als lebensbedrohlich empfinden, wenn es schreiend allein gelassen wird. Das Kind kann sich nicht selbst aus der schwierigen Situation befreien und ist auf Hilfe angewiesen. Unterbleibt diese, wird es zunehmend ängstlicher und gestresster. Irgendwann stellt es das Schreien durch Erschöpfung oder Resignation ein. Für ein Kleinkind kann es tiefgreifende Folgen haben, wenn sich die Bezugspersonen nicht kümmern konnten oder wollten. Aus welchen Gründen auch immer.

Es geht hierbei nicht um die Verurteilung der Eltern. Diese wussten es vielleicht einfach nicht besser oder sind unter ähnlichen bzw. noch schlimmeren Bedingungen aufgewachsen. Es geht vielmehr um ein Erkennen und Annehmen, dass diese „vermeintlichen Kleinigkeiten“ große Auswirkungen haben können.

Manche Menschen mussten den zwischenmenschlichen Kontakt als bedrohlich, unsicher oder überwältigend erfahren. Sie haben irgendwann beschlossen, nie wieder jemanden zu brauchen – um nicht erneut zurückgewiesen oder gedemütigt zu werden. Sie fürchten sich zu zeigen wie sie wirklich sind, weil sie damit schlechte Erfahrungen gemacht haben. Nähe löst bei ihnen Angst, Scham und Schuldgefühle aus. Sie haben zwar ein tiefes Bedürfnis danach, wollen aber auf keinen Fall abhängig, bedürftig oder hilflos sein.

Auf der anderen Seite gibt es Menschen, die nicht alleine sein wollen. Die sich immer für das Leben in einer Beziehung entscheiden, auch wenn diese (wiederholt) sehr einseitig ist oder ihnen nicht wirklich gut tut. Aus Angst verlassen zu werden, versuchen sie trotzdem alles recht zu machen und geben sich dabei vollkommen auf.

Nicht wenige haben sich tatsächlich von sich selbst bzw. ihren Gefühlen abgetrennt. In der Kindheit war dies ein sinnvoller Schutzmechanismus, um alles auszuhalten und zu überleben. Als Erwachsene funktionieren sie nur noch, sind häufig angespannt, erschöpft und unzufrieden. Dabei sehnen sie sich nach einem authentischen Leben voller Lebendigkeit, Freiheit und Geborgenheit.

Die gute Nachricht ist, dass wir die Versäumnisse unserer Bezugspersonen von damals auch noch als Erwachsener nachholen können, indem wir neue Erfahrungen machen und alte Verletzungen integrieren. Wir regulieren uns, wenn wir das Gefühl haben, dass ein anderer Mensch ganz präsent für uns da ist. Dass wir gesehen und gehört werden – ohne dafür etwas leisten oder irgendwie sein zu müssen. Auf diese Weise finden wir wieder zu uns selbst und nehmen unsere Bedürfnisse und Wünsche wahr. Unsere Fähigkeit zur Selbstregulation bestimmt, wie glücklich und zufrieden wir sind. Wie wir auf Anforderungen von Außen reagieren, wie wir mit uns und unseren Bedürfnissen umgehen. Wie gut wir mit uns alleine sein oder mit anderen agieren können. Sie basiert auf der Fähigkeit, sich selbst zu beruhigen oder selbst zu motivieren, um auch in schwierigen Lebensphasen handlungsfähig zu bleiben.

Mit einer guten Selbstregulation haben wir ein gutes Grundgefühl, was unser eigenes Leben betrifft. Wir fühlen uns meist wohl in unserer eigenen Haut – sind offen, neugierig und freudig. Diese Haltung der Offenheit, Neugier, Freude und auch Präsenz wird bei der Naturtherapie geübt. Dadurch wird unsere ursprüngliche Empfindungs- und Spürfähigkeit, sowie die natürliche Fähigkeit zur Selbstregulation gestärkt.

Ich unterstütze dich bei der Integration deiner Erfahrungen, damit diese heilsam in deinem Leben wirken können. Dies geschieht in einem Dialog auf Augenhöhe – von Mensch zu Mensch – durch empathisches und wertfreies Spiegeln.

Du kannst ausgetretenen Wege verlassen, neue beschreiten und so deine Spuren hinterlassen.