Im Energiesparmodus

Nutzt du deine Zeit voll aus? Wir Menschen sind Gewohnheitstiere. Das Positive daran ist, dass uns Gewohnheiten eine wichtige Stütze und praktische Hilfe im Alltag sind. Wir sparen durch sie enorm viel Zeit und Energie. Schließlich würde es uns restlos überfordern, wenn wir bei allem was wir tun immer wieder neu überlegen müssten. Wenn die Macht der Gewohnheit jedoch alles in unserem Leben bestimmt und uns von jeglicher Veränderung abhält, kann es mit der Zeit schwierig werden. Selbst wenn wir unzufrieden sind, machen wir lieber weiter wie bisher. Wir bleiben in unserer Komfortzone, obwohl diese im Grunde nicht wirklich komfortabel ist. Warum fällt es uns so schwer, einen neuen Weg einzuschlagen?

Kürzlich habe ich ein Interview mit dem renommierten Hirnforscher Prof. Dr. Gerald Hüther gesehen, in welchem er eine einfache und einleuchtende Erklärung lieferte: Unser Gehirn möchte Energie sparen. Wenn wir gemütlich auf dem Sofa liegen, verbraucht es laut Hüther ca. 20% der vom Körper bereitgestellten Energie. Dieser Verbrauch steigt rapide an, wenn wir aufstehen und über Probleme nachdenken. Wollen wir diese dann auch noch aktiv lösen, d.h. etwas Fundamentales in unserem Leben ändern, kommt die Anweisung von oben: „Mach lieber weiter wie bisher – das spart Energie!“

Unsere gewohnten negativen Verhaltensmuster verschaffen uns zwar kurzfristig ein gutes Gefühl – langfristig gesehen stehen wir uns aber selbst im Weg.

Wollen wir uns nachhaltig verändern, dann gelingt dies über Selbsterkenntnis: Wer bin ich? Was ist meine Bestimmung? Wie will ich leben? Sich auf den Weg zu machen, um Antworten auf diese Fragen zu finden, kann anfangs beschwerlich sein. Doch irgendwann spüren wir, dass sich das Dranbleiben lohnt. Neugier, Begeisterung und Leidenschaft sind übrigens wunderbare Mittel gegen die natürliche Trägheit unseres Gehirns.

Der bekannte Psychotherapeut Irvin D. Yalom stellt seinen Klienten gerne eine Frage, die wir alle uns (immer mal wieder) stellen können: „Wenn Sie in einem Jahr wieder hier säßen, was müssten sie dann heute anfangen zu tun, damit es Ihnen an dem Zeitpunkt besser geht und Sie das Gefühl hätten, Ihre Zeit voll ausgenutzt zu haben?“